Digitalisierung, ERP

Recy & DepoTech - der Ort, wo sich alle Recycler und Abfallwirtschaftler treffen

Tamara Kornfeind und Sophia Chrenko

Willkommen auf der Online-Konferenz zum Thema Recycling und Deponietechnik 

Die „Recy und DepoTech“ in Leoben dreht sich rund um die Themen Recycling und Deponietechnik. Auch dieses Jahr hat die Konferenz von 18.11.2020 bis 20.11.2020 stattgefunden und wir, Sophia Chrenko und Tamara Kornfeind, waren dabei. In diesem Jahr lief die Konferenz jedoch etwas anders ab. Nämlich nicht vor Ort in Leoben, sondern man traf sich, kommunizierte und diskutierte ONLINE. Wie dies abgelaufen ist und welche interessanten Themen wir dabei mitgenommen haben, wollen wir Ihnen in diesem Beitrag erzählen. 

Abfallwirtschaft hautnah virtuell erleben 

Als virtueller Gast der Konferenz betrat man nach dem Login eine große virtuelle Messehalle, das Zentrum der Veranstaltung. Von diesem Punkt aus gelangte und navigierte man dann in weitere Räume und Bereiche, in denen die Vorträge und Live-Diskussionen zu den unterschiedlichen Themen stattfanden. Die Vorträge waren breit gefächert und beschäftigten sich z. B. mit E-Mobilität, Sensortechnik in Recyclinganlagen oder „Future Waste“. Von der Messehalle aus war es auch möglich, per Mausklick die Poster-Lounge zu betreten. Dort konnten wir alle ausgestellten Poster zusammen mit einem kleinen Video der AutorInnen betrachten. Selbst die AusstellerInnen der Tagung konnte man am virtuellen Messestand besuchen und mit ihnen direkt über einen Chat in Kontakt treten. Für uns beide, die das erste Mal als virtuelle Gäste bei solch einer Konferenz teilgenommen haben, war das Fazit erstmal klar - „Super organisiert!“. 

Blog

Wer sind die Superheroes im Kampf gegen den Klimawandel? Unsere Expertin Melanie beschreibt wie Unternehmen im Abfallwirtschafts- und Recyclingsektor dem Klimawandel entgegenwirken".

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Handeln in Zeiten von Krisen und Veränderungen 

Abschluss des ersten Konferenztages war der Festvortrag von Konrad Paul Liessman. Die Worte in seinem Vortrag richteten sich an die Gesellschaft und unser Handeln in Zeiten der „Veränderungen“ und Krisen. Beleuchtet wurden Aspekte zum Thema Klimakrise, Abfallkrise und auch zur Coronakrise. Nachdenklich, aber auch angeregt aufgrund neuer Erkenntnisse aus diesem interessanten, aber auch sehr kritischen Vortrag, verabschiedeten wir uns virtuell vom ersten Tag der diesjährigen DepoTech. 

Outcome des Leobener Abfall-Disputs zum Thema „CORONA vs. Abfallwirtschaft - Krise oder Erfolgsstory?“ war, dass es weder Gewinner noch Verlierer gab. Die Abfallwirtschaft hat die Krise gut gemeistert und konnte auf die Veränderungen reagieren. Das Ansehen und die Wertschätzung in der Bevölkerung gegenüber der Abfallwirtschaft und deren Mitarbeiter entwickelte sich zudem äußerst positiv. Es haben sich daraus aber auch neue Herausforderungen ergeben, die in Zukunft zu meistern sind. 

In den darauffolgenden zwei Tagen der Konferenz genossen wir eine Reihe verschiedenster Vorträge rund um die Schwerpunkte Recycling und Deponietechnik.  

Die aus unserer Sicht interessantesten Vorträge haben wir mit allen wichtigen Zahlen und Fakten kurz zusammengefasst: 

Kunststoffe in der Umwelt 

Diese Problematik wurde während der Tagung vor allem durch zwei brisante Themen geprägt - der Umweltverschmutzung durch Feuerwerke und die Zertifizierung kompostierbarer Polymere. 

In Deutschland werden jährlich bis zu 137 Millionen Euro in Feuerwerke investiert. Diese sorgen nicht nur für eine Luftverschmutzung und Lärmbelastungen, sondern führen auch zu einer Verunreinigung des Bodens und der Gewässer. Kartonagen, Holz und Polymere sind die Überbleibsel einer „erfolgreichen“ Silvesternacht. Für diese Feuerwerksreste fühlt sich der Nutzer jedoch nicht mehr verantwortlich und hinterlässt sie achtlos in der Umwelt. Seit kurzem gibt es Forschungen in diesem Bereich, die aufzuzeigen, dass es sich hierbei um beachtliche Mengen handelt. An die Konsequenzen für das Ökosystem denkt dabei selten jemand.  

Als zweites Thema wurde während der Tagung die EN 13432 zur Zertifizierung von kompostierbaren Polymeren und Verpackungen genauer beleuchtet. Um diese Zertifizierung zu erhalten, muss sich der Kunststoff in höchstens 12 Wochen unter bestimmten Bedingungen zu 90 % zersetzt haben. Im Zuge dessen wurden kompostierbare Kaffeekapseln untersucht, die im österreichischen Handel erhältlich sind und nach EN 13432 zertifiziert wurden. Diese Kapseln wurden 13 Wochen lang einer Kompostierung unterzogen. Dabei fiel auf, dass die Wandstärke der Kapselmäntel offensichtlich zu dick ist, um sich in dieser Zeit ausreichend abzubauen. Zusätzlich ergab eine Umfrage bei Abfallwirtschaftsverbänden, dass die durchschnittliche Dauer der Kompostierung 6-8 Wochen beträgt. Das ist auch der Grund warum kompostierbare Kunststoffe zum Teil als Störstoffe wahrgenommen werden und im Vorfeld direkt ausgesiebt oder auch unter großem Aufwand händisch aussortiert werden müssen. 

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Sortieren und Trennen von Abfällen funktioniert nicht nach demselben Schema. Dafür gibt es verschiedene Verfahren, welche uns Expertin Tamara in ihrem Blog näher bringt.

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Reparieren liegt im Trend 

Kennen Sie Repair-Cafés? 

Sollte einmal ein Toaster bei Ihnen kaputt gehen, heißt das nicht gleich, dass man diesen entsorgen muss. In einem Repair-Café gibt es die Möglichkeit, defekte Alltagsgegenstände wie Elektrogeräte, Fahrräder, Spielzeug, Textilien und andere Dinge selbstständig, aber unter Anleitung fachkundiger Personen zu reparieren.“ 

Dies entlastet die Abfallwirtschaft und fördert den Gedanken einer Kreislaufwirtschaft - also durch eine Reparatur den Lebenszyklus des Produktes verlängern!  

Der Verein RepaNet koordiniert das Netzwerk der österreichischen Reparaturszene und unterstützt und fördert dessen Entwicklung. Ziel von RepaNet ist es, ein Bewusstsein in der Gesellschaft zu schaffen, um achtsamer mit unseren Ressourcen umzugehen.  Laut Erhebungen von RepaNet wurden im Jahr 2019 in Österreich 55.000 Reparaturversuche vorgenommen wovon 70 % erfolgreich waren! Das entspricht einer vermiedenen Abfallmenge von 218 Tonnen. Gleichzeitig ist das eine Emissionseinsparung von 907 Tonnen CO2.  Wer also auf der Suche nach einem passenden Reparaturbetrieb in Österreich ist, hat die Möglichkeit im Wiener „Reparaturnetzwerk“, „Graz repariert“ und im „Reparaturführer Österreich“ fündig zu werden.  

Links zu den Websites: 

Energieversorgung 2050 

Das Konzept der zukünftigen Energieversorgung hat erhebliche Auswirkungen auf das Abfallaufkommen der Zukunft. Besonders aus diesem Grund steht die Abfallwirtschaft vor großen Herausforderungen. Die Energieversorgung wird zunehmend von erneuerbaren Energieträgern wie Windkraft und Photovoltaik abgedeckt. Der zunehmende Ausbau dieser Anlagen bedeutet aber auch, dass in Zukunft größere Mengen an Sondermüll anfallen werden (nach der Nutzungsdauer dieser Anlagen), für die es aber größtenteils noch keine ausreichend entwickelten Recyclingtechnologien gibt. 

Interessant war in diesem Zusammenhang auch die geschätzte Abfallmenge, die in Zukunft auf Photovoltaik und Windkraft zurückzuführen ist: 

Das Abfallaufkommen von PV-Anlagen im Jahr 2017 wird laut Umweltbundesamt auf 240 Tonnen geschätzt. In Anbetracht der Nutzungsdauer neuer PV-Anlagen und dem geplanten Ausbau bis 2050 rechnet man im Jahr 2074 mit einem Abfallaufkommen von rund 106.000 Tonnen. 

Für Windkraftanlagen prognostiziert man, dass der größte Anteil an neuen Anlagen im Jahr 2043 entstehen wird. Das führt bei einer Nutzungsdauer von 25 Jahren dazu, dass man im Jahr 2068 mit einem Abfall-Gesamtaufkommen von 918.000 Tonnen zu rechnen hat. Auch mit enormen Schwankungen in der anfallenden Menge von Windkraftanlagen wird die Abfallwirtschaft zu kämpfen haben. 

Fazit

Gerüstet mit viel neuem Wissen verlassen wir die Onlinekonferenz am Ende des zweiten Tages. Wir konnten viele interessante Details und Ansichten aus den einzelnen Veranstaltungen mitnehmen, die virtuell perfekt aufbereitet wurden. Alles in Allem hat unsere erste virtuelle Veranstaltung die meisten Erwartungen übertroffen und wir konnten dieser Zusammenkunft auch viele positive Aspekte abgewinnen. 

Ob jetzt virtuell oder wieder unter herkömmlichen Bedingungen – auf jeden Fall freuen wir uns schon wieder auf einem Besuch der DepoTech in zwei Jahren. 

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Author:
Tamara Kornfeind
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Sophia Chrenko
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