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Abfall- und Recyclingwirtschaft – Superheroes im Kampf gegen den Klimawandel

Melanie Rainer

Weihnachten steht vor der Tür. Die Zeit der Besinnlichkeit, der Nächstenliebe und der Entschleunigung. Aber nicht so im Handel. Weihnachten gilt in den meisten Branchen als die umsatzstärkste Zeit des Jahres. Den Kindern werden Massen an Geschenken besorgt und auch die Erwachsenen stehen sich im Schenken um nichts nach. Doch nicht nur die Wirtschaft erlebt ein Hoch, auch die Abfallindustrie – diese ist in diesem Zeitraum besonders gefordert. Unmengen an Müll müssen aufbereitet und entsorgt werden. Nicht gewollte Geschenke wandern in den Abfall oder werden zurückgesendet, wo sie mangels Wiederverkaufbarkeit oftmals vernichtet werden. Nun ist das für die Abfall- und Recyclingwirtschaft kein neues Szenario, schließlich ist es ihr tägliches Geschäft. Eines sollte uns jedoch bewusst sein und darauf sollte nochmal konkret hingewiesen werden: Recycling und eine fachgerechte Entsorgung sind als Maßnahme für die Verlangsamung des Klimawandels essenziell. Das Potential ist groß und durch eine Kreisslaufwirtschaft kann der CO2 Ausstoß um eine vielfaches reduziert werden. Einsparungen in anderen Industriezweigen und Branchen gestalten sich da schon etwas komplizierter. 

Warum Ihr kaputtes Kinderspielzeug helfen könnte, CO2 zu sparen 

Hinter dem Konzept der Kreislaufwirtschaft verbirgt sich die Wiederverwendung von Rohstoffen am Ende ihres Lebenszyklus. Für ein Spielzeug aus Pastik bedeutet das die Rückführung in den Kreislauf durch Sortieren, Reinigen, Wiedereinschmelzen und am Ende den Verkauf an pastikverarbeitende Industriebetriebe. So kann aus einem nicht gewollten und kaputten Kinderspielzeug der Großteil des Grundstoffes in die Produkton eines euen Artikels fließen. Durch den Einsatz von recyceltem Plastik können CO2 Einsparungen von bis zu 50% (1) erreicht werden.  

Übertragbar ist dieser Prozess auch auf andere Rohstoffe. Derzeit werden in Deutschland z.B. 15 % Recyclate eingesetzt. Eine Erhöhung der Quote auf 30 % würde eine Einsparung von 60 Mio. Tonnen CO2 bedeuten. In Österreich sind nur 9,7 % aller Rohstoffe in einem zirkulären Kreislauf. Das Land liegt damit etwas höher als die Weltwirschaft mit 9,1 % im Jahre 2018. Das klingt im ersten Moment sehr wenig – was es leider auch ist. Der Begriff des Circularity Gaps beschreibt also das Ausmaß, das noch zu bewältigen ist, um das Ziel der kompletten Circular Economy (Kreislaufwirtschaft) zu erreichen. Der jährliche Circularity Gap Report für 2020 zeigt sogar eine Verringerung der Recyclingquote um 8,1 % weltweit. 

Deutschland gibt den Ton an 

Wie die Kreislaufwirtschaft allgemein forciert werden kann zeigt uns Deutschland. Konsequentes Sammeln von Altstoffen, verpflichtende Recyclingquoten, thermische Nutzung von Reststoffen, innovative Technologien bei der Verwertung von Altholz und Papier, Leichtverpackungen, Glas und Bio- und Grünabfälle erfordern den Einsatz der Abfall- und Recyclingbetriebe. Aber auch die Abwasserwirtschaft leistet durch die Weiterverwendung der Gärgase seinen Beitrag zur CO2 Reduktion. Das Umweltbundesamt hat für 2020 ein Einsparungspotential von zusätzlich 10 Mio. Tonnen CO2 Äquivalent berechnet. 

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Deponieren ist keine Lösung 

Wie sieht es dagegen in Europa aus? In manchen europäischen Ländern ist die Deponierung nach wie vor eine gängige Entsorgungsmaßnahme. Allein in 2007 wurden in der EU 106 Mio. Tonnen Siedlungsabfälle deponiert. Innerhalb Europa gibt es hier beträchtliche Unterschiede. Während Österreich, Deutschland und Luxemburg keine Deponierung zulassen gibt es anderswo 15 Länder mit Deponierungsquoten von mehr als 30 %. Spitzenreiter ist Montenegro mit fast 80 %, Zypern mit etwa 73 % und Griechenland mit 72 %. (6) Mit dieser Maßnahme werden wertvolle Rohstoffe der Kreislaufwirtschaft für immer entzogen, diese sind verloren. Außerdem zählt die Deponierung des Abfalls aufgrund der austretenden Gase zu einem echten Klimawandel-Treiber. 

Gemeinsam Treibhausemissionen senken 

Im Klimabündnis Europas wurde vereinbart, dass 2020 eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 20 % erreicht werden soll. Das entspricht ca. einer Menge von 600 Mio. Tonnen CO2 Äquivalent. Berechnungen ergeben, dass die gesamte europäische Entsorungs- und Kreislaufwirtschaft über 200 Mio. Tonnen davon beitragen kann. Das ist in etwa ein Drittel der erforderlichen Menge. Bereits 2018 hat die EU zur Unterstützung der Kreislaufwirtschaft verbindliche Recyclingquoten festgelegt. Bis 2025 müssen 55 % (bis 2030 60 %, bis 2035 65%) der Siedlungsabfälle wiederverwertet werden. Zusätzlich muss bis zum 1.1.2025 eine getrennte Sammlung für Textilien und gefährlichen Haushaltsabfall eingeführt werden. In weiterer Folge muß bis zum 31.12.2023 zu den bereits bestehenden Sammlungen auch eine Biomüllsammlung oder Verwertung an Ort und Stelle (Kompostierung) sichergestellt werden. Für die bestehenden Sammlungen wurden für 2025 folgende Recyclingquoten festgelegt: Plastik 50 %, Holz 25 %, Eisenmetalle 70 %, Aluminium 50 %, Glas 70 %, Papier und Karton 75 % und alle weiteren Verpackungen 65 %. (5) Unterstützt werden soll die Erreichung dieser Quoten durch die Reduktion der Deponieablagerung auf 5 – 10 % des Aufkommens und eine Erweiterung der Herstellerverantwortung. Mit diesen Maßnahmen erhofft man sich eine EU-weite Priorisierung der Kreislaufwirtschaft und eine daraus resultierenden Reduktion der Treibhausgasemissionen. 

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Luft nach oben für die Abfall- und Recyclingindustrie  

Den Superhelden-Status hat die Abfallwirtschaft und Recyclingindustrie derzeit wahrscheinlich noch nicht erreicht, aber das Potenzial ist durchaus groß und lässt für die Zukunft hoffen. Alleine die Reduktion von Deponierung kann sich positiv auf die  Treibhausgasemissionen auswirken. Durch eine konsequente Steigerung der Recyclingquoten und durch die Unterstützung einer echten Kreislaufwirtschaft können nicht nur die Klimaziele erreicht, sondern auch ein wertvoller Betrag zur Bremsung des Klimawandels geleistet werden.  

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