Digitalisierung

Digitalisierung: Eine Chance für den Ressourcen-Kreislauf

Johannes Neumüller01.03.2019
COSMO-CONSULT-Blog_Ressourcenkreislauf

Natürliche Ressourcen haben einen gravierenden Nachteil – sie sind in ihrer Menge begrenzt. Kein Wunder also, dass der Zugang zu Ressourcen heute äußerst wichtig ist, entscheidet er doch über das Vorankommen von Volkswirtschaften und Unternehmen und damit verständlicher Weise auch über den Wohlstand jedes Einzelnen.

Dass Primärrohstoffe dabei nicht die einzige Quelle sein können, liegt auf der Hand. Dennoch werden Sekundärrohstoffe beispielsweise nur zu etwa 20 Prozent von der Produktionsindustrie in Deutschland verwendet – dies zeigt, dass die Ressourcenkreisläufe heute noch längst nicht geschlossen sind.

Damit stellt sich allerdings die Frage, ob in diesem Fall tatsächlich schon von einem Kreislauf gesprochen werden kann. Was einerseits nicht wirklich positiv genug klingt, deutet andererseits immerhin auf Wachstum hin, welches durch zusätzliche Chancen aufgrund neuer, beziehungsweise aktueller Trends, verstärkt wird.

Ressourcen wieder in den Kreislauf bringen

Kern des Geschäftsmodells von Recyclingunternehmen ist es, Zugang zu qualitativ hochwertigen Ressourcen zu bekommen, aus diesen den bestmöglichen Wert zu generieren und danach das Endprodukt ideal abzusetzen. Ziel ist es also, den Ressourcenkreislauf zu schließen. Dies klingt zwar relativ einfach, birgt aber einige Herausforderungen. So hat beispielsweise die Materialqualität starke Auswirkungen auf die Marge. Ob Unternehmen in diesem Bereich erfolgreich sind oder nicht, entscheidet der Einkaufsprozess und natürlich die Qualität der zugekauften Waren. Häufig werden auf Einkaufsseite lediglich Mindestqualitäten festgelegt. Die Materialqualität, die dann tatsächlich zugekauft wird, kann erst beim Wareneingang festgestellt werden.

Zusätzlich wird es in diesem Bereich durch die Volatilität der Absatzmärkte keinesfalls einfacher, erfolgreich zu agieren. Um trotz schwankender Märkte ein Mindestniveau an Sicherheit zu erlangen, behelfen sich die Unternehmen mit Echtzeitanbindungen an Rohstoffbörsen, langfristigen Abnahmeverträgen oder auch Hedging. Zusätzlich wird bei unternehmensinternen Prozessen auf Tracking und Forecasting gesetzt. Das heißt, akkurate Daten aus Produktion sowie Lager und Logistik sind notwendig, um die Materialien, die sich innerhalb des Unternehmens befinden, zu bewerten.

Hohe rechtliche Anforderungen

Ein weiterer Aspekt, der die gesamte Industrie betrifft, sind die hohen rechtlichen Anforderungen, die regional und länderspezifisch oft komplett unterschiedlich sind. Für die notwendige Rechtssicherheit ist Transparenz die Grundlage um den Dokumentationspflichten entsprechen zu können.

Wichtige Trends

Neue Technologien sowie der Umstand, dass die Wiederverwertung von End-of-Life Produkten zunehmend in den Fokus der Wahrnehmung rückt, münden dabei in einigen Trends. Deren Auswirkungen kommen früher oder später auf die gesamte Branche zu. So werden etwa mit Urban Mining bereits Ballungszentren als (Sekundär-) Rohstoffquellen genutzt.

Recyclingfreundliches Produktdesign und Abo-Modelle von Automobilherstellern deuten wiederum auf eine Verlagerung der Entsorgungshoheit vom Kunden zum Hersteller hin. In Zukunft könnte es also durchaus so sein, dass der Automobilkonzern entscheidet, wo und wie die wertvollen Ressourcen aus seinen Fahrzeugen wiederverwertet werden. Besonders interessant wird das dadurch entstehende Potential auch für Anbieter im Bereich der Digitalisierung.

Digitalisierung als Basis

Die zentrale Basis zur Digitalisierung der Wertschöpfungskette ist eine entsprechende technologische Plattform. Wichtige Elemente rund um den Einkauf sind dabei sauberes Vertrags- und Angebotsmanagement, inklusive der Anbindung von Handelsplattformen. IT-unterstützte Reverse Logistik und Lagerbewirtschaftungselemente steuern dabei die wertschöpfenden Prozesse. Dazu kommen branchenbedingte Elemente wie Containerverwaltung, Waagefunktionalität, Abfallklassifizierungen oder Transportplanung.

Mit Blick auf Geschäftstätigkeiten an mehreren Standorten - möglicherweise auch international - kommen Bausteine wie Konsolidierung oder die Verzahnung von Intercompany-Abläufen hinzu. Die erwähnten Bausteine bilden dabei die Basis, um eine durchgängige Abbildung der Wertschöpfungskette zu ermöglichen. Aufgesetzt auf einer Plattform, deren Unterbau dies ermöglicht, bleiben auch für künftige Erweiterungen weniger Einschränkungen. Der Plattformansatz ermöglicht die Einbindung von Handelsplattformen, Mobile Apps, Onboard Units von Fahrzeugen oder auch selbstlernender Algorithmen für Forecasting in Form von künstlicher Intelligenz.

Trotz aller technischen Möglichkeiten darf ein zentraler Faktor nicht vergessen werden: Digitalisierung funktioniert nur, wenn der Mensch als Bediener mitspielt. Das heißt eine Digitalisierungslösung darf nicht zu ihrem Selbstzweck entstehen, sondern muss sinnvoll für den Benutzer ausgelegt werden.

Fazit

Zusammenfassend birgt die Bewegung in der Branche großes Potential. Jene, die schneller auf die Veränderungen reagieren, schaffen sich einen Wettbewerbsvorteil. Neue Geschäftsmodelle lassen neue Unternehmen entstehen, andere wiederum verschwinden. Die Digitalisierung wird dabei helfen, den Ressourcen-Kreislauf zu schließen. Das Überdenken von bestehenden IT-Strategien führt dabei immer stärker zum Plattformgedanken. Die dafür nötige Technologie existiert bereits, wie und ob sie eingesetzt wird, bleibt jedoch die Entscheidung von vorausschauenden Unternehmenslenkern.

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Über den Autor: Johannes Neumüller

Johannes Neumüller ist Senior Sales Manager am COSMO CONSULT-Standort Steyr (vormals FWI Gruppe). Seine berufliche Laufbahn begann er bei Industrie Informatik in Linz, wo er nach Stationen als Consultant und Projektleiter für internationale IT-Projekte in den Vertrieb wechselte. Im Anschluss war er als Manager Strategy für Siemens VAI tätig. Er absolvierte an der Fachhochschule Hagenberg ein Studium mit Spezialisierung auf Hardware und Softwareengineering sowie ein MBA-Studium für internationales Sales Management an der Fachhochschule Steyr.

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