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Gemeinsam Kreislaufwirtschaften für mehr Ressourcenschonung

Tamara Kornfeind

Am Mittwoch, den 13.10.2021 lud der VOEB (Verband der österreichischer Entsorgungsbetriebe) zu der bereits dritten Veranstaltung „Gemeinsam Kreislauf-Wirtschaften“ ein. Rund 250 Teilnehmer*innen nahmen vor Ort und online teil, um sich gemeinsam zum Thema Kreislaufwirtschaft in der Abfall- und Ressourcenwirtschaft auszutauschen. Der Fokus dieser Diskussion richtete sich heuer besonders auf den Green deal und das Projekt „Fit for 55“ der europäischen Kommission.

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Im Zuge der Einwegplastik Richtlinie der EU wird in Österreich ein 3 Punkte Plan zum Plastikpfand umgesetzt. Erfahren Sie in diesem Blogartikel mehr was eine höhere Recyclingquote mit der Abgabenlast für Unternehmen und Bürger*innen zu tun hat:

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Mit dem Green Deal zu mehr Ressourceneffizienz

Mit dem europäische Green Deal will die europäische Kommission den Übergang zu einer ressourceneffizienten Wirtschaft schaffen, die

  • bis 2050 keine Netto-Treibhausgase mehr ausstößt,

  • ihr Wachstum von der Ressourcennutzung abkoppelt,

  • niemanden, weder Mensch noch Region, im Stich lässt.

Fit for 55 ist ein Paket der europäischen Kommission, das 12 Vorschläge präsentiert um das Klimaziel „Reduzierung der Netto-Treibhausgasemission bis 2030 auf 55 Prozent gegenüber dem Stand 1990“ zu erreichen. Dieses Paket beinhaltet die nötigen Rechtsinstrumente für die Verwirklichung des Green Deals.

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5 Leuchtturmprojekte für den Green Deal

In der Veranstaltung wurden 5 Leuchtturmprojekte aus unterschiedlichen Unternehmen und Bereichen vorgestellt, die jeweils eigene Maßnahmen und Ziele verfolgen, um den Green deal zu verwirklichen:

Bereich Kunststoff:  Die Unternehmen Lafarge und Boeralis schlossen sich zusammen und präsentierten ihr Projekt „C2PAT“. Hier ging es um die Nutzung von CO2 aus der Zementerzeugung für die Herstellung von erneuerbarem Kunststoff. „Durch die Schaffung einer sektorübergreifenden Wertschöpfungskette werden Klimaneutralität, Kreislaufwirtschaft und Innovation in Österreich vorangetrieben. Mit diesem innovativen Projekt werden die Emissionen in der Zementproduktion signifikant verringert und das Treibhausgas CO2 als wertvolle Ressource für die industrielle Weiterverwendung etabliert.“

Bereich Transport: Brantner und Stummer stellten ihr Projekt zur Wasserstoffmobilität vor. In ihrem gemeinsamen Projekt soll Wasserstoff als Treibstoff für LKWs in der Müllentsorgung genutzt werden. Wichtig für die Umsetzung war einerseits die Einhaltung gesetzlicher Rahmenbedingungen (EU-Vorgabe zur Reduktion von CO2 bei Neufahrzeugen), andererseits eine hohe Praktikabilität der Lösung. So sollten die Nutzlasten der Wasserstoffbetriebenen LKWs gegenüber LKWs mit fossilen Kraftstoffen nicht verringert werden. Brantner ist es gelungen den ersten wasserstoffbetriebenen Müllsammel-LKW Österreichs zu produzieren. Die von Brantner und Stummer entwickelte Technologie „Blue power“ verbindet den elektrischen Antrieb der Wasserstoff Brennstoffzelle mit der Batterie-Technologie.

Bereich Getränkewirtschaft: Mit dem Blick auf eine digitale Revolution der Getränkewirtschaft gerichtet, starteten die Unternehmen Saubermacher und ARA ihren Pilotversuch „Digi-Cycle“. Mit ihrem Projekt soll für Verbraucher*innen ein stärkerer Anreiz geschaffen werden, Getränke-Verpackungen richtig zu entsorgen. Deshalb wurde die App „Digi-cycle“ entwickelt. Durch das Scannen von Codes auf Flaschen oder Getränkedose sowie Sammelbehältern können bei der Entsorgung Prämien kassiert werden. Unterstützt wird Digi-Cycle von führenden Unternehmen der österreichischen Getränkeindustrie, wie der Brau Union, Rauch, Red Bull, Vöslauer und Coca-Cola. Dabei soll diese App das herkömmliche Pfandsystem nicht ersetzen, sondern eher unterstützen. Der Pilotversuch dieser App in Österreich lief bis Ende September 2021 und nun werden Daten ausgewertet.

Bereich Bauwirtschaft: Das Bauunternehmen Porr berichtete über den Beitrag und die Grenzen der Bauwirtschaft im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Bau-, Abbruchmaterial und Aushubmaterial nahmen 2019 zusammen einen Anteil von 78 % des Gesamtabfallaufkommen ein. Das sind 53,5 Mio. Tonnen von den insgesamt 68,4 Mio. Tonnen am Gesamtabfallaufkommen. Ziel des Unternehmens ist es, den Anteil an recycelten Baustoffen laufend zu erhöhen und ressourcenschonende Verfahren zu verbessern. „In Österreich gibt es aktuell rund 20 Standorte, an denen wir Baustoffrecycling betreiben. Im Jahr 2020 wurden dort 1,7 Millionen Tonnen Recycling-Baustoffe aus hergestellt. Darüber hinaus wurden auf diversen Baustellen rund 216.000 Tonnen Baurestmassen und Aushub zu Recycling-Baustoffen aufbereitet.“

Bereich Textilien: Für das Unternehmen Lenzing ist Kreislaufwirtschaft ein wichtiger Bestandteil deren Geschäftsmodells. Schwerpunkt liegt auf natürlichen Kreisläufen*. Als globaler Faserproduzent hat es sich Lenzing daher zur Aufgabe gemacht Textilien aus natürlichen Rohstoffen herzustellen und somit die ersten CarbonNeutral®-Fasern unter der Marke TENCEL™ kreiert. Tencel sind Fasern, die aus holzbasierender Cellulose hergestellt werden. Es soll hier aber nicht nur auf den Einsatz nachhaltiger Rohstoffe gesetzt werden, sondern auch auf die Wiederverwertbarkeit. Recycelte Zellulose Fasern sollen wieder als Rohmaterial zum Einsatz für die Herstellung neuer Fasern/Textilien herangezogen werden.  

Bei Lenzing sollen bis 2030 ein bedeutender Anteil der Fasern aus recyceltem Material bestehen. Recycling ist vor allem in der Textilindustrie eine große Herausforderung, denn aktuell werden weniger als 1 % der weltweit produzierten Kleidung in einem geschlossenen Kreislauf aufbereitet.

*Definition natürliche Kreisläufe: „Produkte stammen aus nachhaltigen, erneuerbaren Quellen. Sie sind recycelbar und können zur Herstellung neuer Produkte verwendet werden. Der Kreislauf schließt sich durch die natürliche Erneuerbarkeit des Rohmaterials und über die Recyclingfähigkeit und Verarbeitung zu neuen Produkten.“

Fazit

Es gibt viele gute Ansätze und Ideen, aber ohne der richtigen Investitionssicherheit, strukturellen und organisatorischen Voraussetzungen können solche Projekte schnell wieder von der Bildfläche verschwinden.

Deswegen richten Unternehmen einen dringenden Appell an die Politik:

  • Investitionssicherheit verbunden mit klaren Umstiegshilfen

  • Faire Rahmenbedingungen bei öffentlichen Ausschreibungen (Qualitätsbewertungen von nachhaltigen Antrieben)

  • Wirksame Regulierungen auf nationaler und EU-Ebene (Bemautungssysteme)“

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Autor:
Tamara Kornfeind
Consultant Operations